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Fr 15.11.2002

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt: Generationen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt hält nichts davon, die Generationen gegeneinander auszuspielen. In einem Interview mit der Berliner Zeitung am 15. November 2002 betonte sie: "Ich wehre mich mit Händen und Füßen, diese modische Debatte um einen Generationskonflikt mitzumachen." Wer heute im Rentenalter sei, habe Kinder unter schlechteren Bedingungen groß gezogen als heute. Natürlich müssten die Älteren auch ihren Beitrag zur Haushaltkonsolidierung bringen, aber dies tun sie bereits jetzt, erklärte die Ministerin.

Lebenserfahrung und Know-how der Älteren nutzen

In Deutschland würden Lebenserfahrungen und Know-how verschwendet, weil mehr als die Hälfte der Betriebe keine über 50-Jährigen mehr beschäftigten. Zwar klage die Wirtschaft über steigende Sozialbeiträge, dennoch schickten sie Menschen vorzeitig in den Ruhestand - und zwar oft gegen deren Willen. "Wir müssen die Unternehmen überzeugen, dass sie im volkswirtschaftlichen Interesse die Kompetenzen der Älteren nutzen", sagte Renate Schmidt.

Oft würden die Älteren entlassen, weil Jüngere billiger seien. Deshalb müsse man überprüfen, ob das Prinzip, wonach das Einkommen mit den Berufsjahren steigt, richtig sei. Auch seien Anreize, die ältere Menschen aus dem Erwerbsleben herausdrängen, auf die Dauer nicht tragbar. Doch dies sei angesichts von vier Millionen Arbeitslosen im Moment nicht umzusetzen.

"Wenn wir es schaffen würden, dass das faktische Renteneintrittsalter dem gesetzlichen näher kommt - hier ist vor allem die Wirtschaft gefordert - und wenn wir es darüber hinaus schaffen, dass etwa die Akademiker nicht erst mit 28 und 30 Jahren ihr erstes Geld verdienen - das ist die Aufgabe der Politik -, bräuchten wir uns um Rentenbeiträge keine Sorgen mehr machen", erläuterte die Ministerin.

Bessere Bedingungen für Familie und Karriere

Ein großes Problem sei auch, dass ein Drittel der heute 30- bis 40-jährigen Frauen kinderlos sei, bei den Akademikerinnen betrage dieser Anteil sogar 41 Prozent. Dies sei eine Folge der Politik, die auf die am besten ausgebildete Frauen-Generation keine Rücksicht genommen habe. Die Bundesregierung werde dies endlich ändern, indem sie die Kinderbetreuungsmöglichkeiten verbessere.

Zudem kündigte die Familienministerin an, sich im Bündnis für Arbeit für familienfreundliche Arbeitszeiten einzusetzen. "Wir brauchen ein Umdenken im Berufsverlauf. 40- und 45-Jährige müssen sehr wohl noch Karrieremöglichkeiten haben. Heute müssen sie bis dahin alles erledigt haben: Kinder bekommen, Haus bauen, Apfelbaum pflanzen und zusätzlich auch noch Karriere machen." Dies verhindere, so Renate Schmidt, dass viele Menschen sich ihre Kinderwünsche erfüllten.

Am Ende des Interviews betonte Renate Schmidt, der Generationenvertrag habe ein wesentliches Manko: "Es ist ein Zwei- und kein Drei-Generationenvertrag." Deshalb müssten Kinder in den Sozialsystemen stärker berücksichtigt werden. Das Problem sei nicht leicht zu lösen, aber die Bundesregierung werde es angehen, versprach die Ministerin.